Ermlands Weihbischof Wojtkowski ist tot

von Norbert Block

Unter großer Anteilnahme von Klerus und Gläubigen ist der emeritierte Weihbischof von Ermland, Julian Wojtkowski, in der Konkathedrale St. Jakob in Allenstein beigesetzt worden, direkt neben dem Bischof von Ermland, Jan Obłąk. Wojtkowski war am 4. Februar, nur vier Tage nach seinem 99. Geburtstag verstorben.

Bischof Wojtkowski wurde am 31. Januar 1927 in Posen geboren, wo er die Grundschule absolvierte. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde er zusammen mit seinen Eltern und Geschwistern verhaftet und im Lager Głowno – Posen Ost inhaftiert und mit dem ersten Transport nach Ostrowiec Świętokrzyski deportiert. Er erwarb 1944 in einem geheimen Unterricht in der Region Kielce das kleine Abitur und erhielt ein Jahr später das Abiturzeugnis des Mathematik- und Physikgymnasiums in Lublin.

Von 1945 bis 1950 studierte er am Priesterseminar in Lublin für die Diözese Ermland. Die Priesterweihe und den Magister in Theologie erhielt er 1950. Nach dem Studium der Dogmatik an der Katholischen Universität Lublin promovierte er 1953. Von 1952 bis 2005 lehrte er am Priesterseminar von Ermland, am Theologischen Institut von Ermland und an der Theologischen Fakultät der Universität Ermland-Masuren in Allenstein. 1968 habilitierte er sich an der Päpstlichen Theologischen Fakultät in Krakau.

In der Privatkapelle von Kardinal Stefan Wyszyński in Warschau wurde Pfarrer Julian Wojtkowski am 22. August 1969 zum Bischof geweiht. Die Weihe wurde vom Primas von Polen Stefan Wyszyński und den Bischöfen von Ermland Józef Drzazga und Jan Obłąk vorgenommen. Als Bischofsmotto wählte er die Worte: Veni Domine Jesu (Komm, Herr Jesus).

1987 wurde er zum außerordentlichen Professor der Päpstlichen Theologischen Akademie in Krakau ernannt, 1997 zum ordentlichen Professor. Seine Hauptforschungsgebiete waren die Geschichte der Marien-Dogmen im mittelalterlichen Polen, Glossen und kleinere polnische Texte in Inkunabeln aus Großpolen sowie die Geschichte der Diözese Ermland.

Er beherrschte die lateinische Sprache perfekt und übersetzte mittelalterliche Dokumente und Manuskripte. Er war auch Gutachter für religiöse Bücher, prosynodaler Richter, Seelsorger für wissenschaftliche Mitarbeiter und Referent für Bauangelegenheiten. Er war Autor zahlreicher wissenschaftlicher und populärwissenschaftlicher Studien und Artikel.

Erzbischof Tadeusz Wojda, Vorsitzender der Polnischen Bischofskonferenz, bezeichnete Wojtkowski als einen Menschen von großer Demut. „Seine große Demut, seine Anwesenheit unter uns war ein großartiges Zeugnis für Christus. Er wollte den Menschen nahe sein, mit den Menschen zusammen sein. Wir danken ihm für dieses schöne Zeugnis der Demut, Güte und Hingabe, für dieses Zeugnis eines Hirten, der sich ganz für das Wohl der Gemeinschaft einsetzte, nicht nur der hiesigen, sondern der gesamten Gemeinschaft, der gesamten Kirche in Polen“, so Wojda. Der Erzbischof von Ermland, Józef Górzyński, betonte wiederum, „dass Bischof Julian uns alle gelehrt hat, nach dem Evangelium Christi zu leben. Ich habe niemanden sonst getroffen, der das Leben nach dem Evangelium so wörtlich umgesetzt und gezeigt hat, dass dies möglich ist. Für uns, für die Erzdiözese Ermland und zuvor für die Diözese Ermland ist er ein Mann, der die gesamte Nachkriegsgeschichte dieser Diözese verkörperte und in jeder Hinsicht eine historische Persönlichkeit war, denn Gott schenkte ihm bis zum Ende einen sehr wachen Geist, er war ein wandelndes Lexikon des Wissens“,  betonte Górzyński.

Der Allensteiner Stadtpräsident Robert Szewczyk betonte die großen Verdienste von Bischof Julian Wojtkowski als Ehrenbürger von Allenstein. „Als Stadtgemeinschaft empfinden wir heute einen Verlust, aber noch stärker empfinden wir eine Verpflichtung. Denn solche Menschen hinterlassen keine Leere, sondern eine Aufgabe. Die Aufgabe, dem Wichtigen treu zu bleiben, Geduld gegenüber der Wahrheit zu haben, Traditionen zu respektieren und mutig zu denken“, so Szewczyk. eb

 

 

 

 

 

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